Die Bildgeschichte - Die Geschichte zum Bild

Einige wenige Fotografien erzählen mit ihrem Inhalt, mit dem was darauf zu erblicken ist, eine Geschichte. Viele Fotografien zeigen im Ausschnitt einen kleinen Teil einer größeren Geschichte.

Es gibt auch Fotografien, die selbst Geschichtsträchtig sind. Was jedoch fast alle Fotografien besitzen, ist eine Geschichte dahinter, eben die Geschichte zum Bild.
Sei es aus der Situation heraus, dem Glück des Fotografen angehaftet zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen zu sein. Aus der Planung heraus, eben dieses Bild zu schießen und noch viele weitere Gegebenheiten mehr. Und da ich Hier und Da gefragt werde, wie ich das Ein oder Andere Bild bekommen habe, werde ich in Zukunft hier einige ausgewählte Bilder zeigen und deren Hintergrundgeschichte erzählen. Es werden aktuelle sein, aber auch einige die ich beim durchstöbern des Archivs finde. Zu denen ich eine, so hoffe ich, interessante Geschichte erzählen kann.

 

# 3

12 Stunden Gebirgstour und Alex im Glück 

Lange schon wollte ich Steinböcke fotografieren, kam nur nie dazu. Bis ich im Jahr 2015 immer wieder auf 
Zeitschriftenartikel gestoßen bin und bei Dokumentationen über die Alpen hängen blieb. In denen natürlich der
Alpensteinbock (Capria ibex) nie fehlte. Anfang September 2016 war es dann soweit. Meine Kamera-Frau und 
ich fuhren in die Bechtesgadener Alpen. Mit dem Ziel, nicht ohne Fotoaufnahmen des Steinbocks zurück zu 
kehren. Meine Informationen nach, schienen die besten Möglichkeiten dieses Ziel zu erreichen, der 2276 Meter
hohe Berg Schneibstein, zu sein. Beziehungsweise die Bergwelt um Ihn herum. Steinböcke und Gämse wären
dort oben mit etwas Glück gut zu beobachten. Einen Tag vor dieser Bergtour, war Kartenstudium angesagt.
Sowie ein Besuch im Tourist-Info am Königssee. Dort mit der Ausgebreiteten Landkarte müssen die Dame
hinter der Theke und ich, aneinander vorbei geredet haben, was die gesamt Wegstrecke betraf. Doch dazu 
später mehr. 
Also, morgens gleich als Erste mit der Jenner Gondelbahn bis zur Bergstation und von da aus gut 4 Stunden
den mittelschweren Wanderweg hinaus zum Schneibsteingipfel und das in praller Sonne und entsprechenden
Temperaturen. Unterwegs, keine Steinböcke und Gämse gesehen. Oben am Gipfel nassgeschwitzt und schon
recht erledigt angekommen, erst einmal eine längere Pause und das Panorama geniesen.
Danach schlugen meine Kamera-Frau und ich einen schmalen Pfad ein und siehe da. In weiter Ferne, auf einer
kleinen verbliebenen Schneefläche stand ein männlicher Steinbock. Für uns der Erste im Leben, wildlife!
Kameras ausgepackt und vorsichtig genähert. Zu unserer Überraschung kamen wir ohne Probleme recht nah
heran und mein Fotojagdteifer war geweckt. Ein weiteres Stück des Pfades entlang stand dann ein ganzes 
Rudel Steinböcke verteilt am Berghang und in weiter Entfernung gar einige Gämse. 
Ich suchte mir einen geeigneten Platz und kniete nieder. Die Steinböcke kamen auf mich zu, sahen mich und 
waren wenig beeindruckt. Ich jedoch schon, so nah an Wildtiere heran zu kommen. Beziehungsweise das diese
einen Menschen fast ignorieren. Später erfuhren wir, das die Steinböcke an die vielen Bergwanderer gewöhnt 
sind und diese nicht als Gefahr ansehen. Ich hielt dennoch respektvollen Abstand und zog mich immer wieder zurück. Besonders bei den Männchen mit ihren mächtigen Hörnern. Respektvoller Umgang mit Tieren, steht für mich und meiner Tierfotografie immer an erster Stelle. Immerhin, ist man bei den Tieren zu Hause, in ihrem Wohnzimmer und da hat man sich zu benehmen! Respekt vor den Tieren, muss jeder Tierfotograf- Filmer sein eigen nennen, ansonsten hat er in diesem Bereich der Tierbeobachtung nichts zu tun! 
Nach einer viel zu kurzen Zeit, mussten wir uns auf den Rückweg machen. Auf zum Abstieg. Durch das wohl aneinander vorbeireden, wie ich oben erwähnte. Mit der Dame in der Tourist-Info. Haben wir an diesem Tag über 12 Stunden im Gebirge verbracht. Vom Schneibsteingipfel aus folgten wir den Wanderpfad, im langen Bogen über mehrere Almen und ein ganzes Stück oberhalb des Königssees entlang, zurück zum Parkplatz am Königssee. Den wir bei anbruch der Nacht, völlig erschöpft aber glücklich, erreichten. Mit dem Wunsch und dem Wissen, das es nicht bei diesem einen Besuch, bei den Steinböcken bleiben würde!

Abenteuer Naturfotografie 13, ist das Video von dieser Tour, auf meinem YouTube Kanal.

Daten.: Männlicher Steinbock (Capria ibex) in den Berchtesgadener Alpen aufgenommen September 2016

Eos digital, 300mm, f 5,6 / 1/640 Sek / ISO 400, freihand

 

 

 

 

# 2

Kraniche und Mond

Da war ich Ende Februar 2015 im Oppenweher Moor unterwegs, um ein paar Landschaftsaufnahmen zu machen. Als ich in der Abenddämmerung auf dem Weg zurück zum Parkplatz lief, hörte ich hoch am Himmel, das typische Rufen der Kraniche. Mein Blick richtete sich nach oben, in die Richtung aus der ich die Rufe vernahm. Ich konnte ein Trupp Kraniche erkennen der weite Kreise flog. Zu hoch für mein 70-200mm und ansonsten hatte ich auch nur mein 105mm Makro und ein Weitwinkel mit. Der zunehmende Mond stand auch schon recht hoch am Himmel und der Trupp Kraniche flog während meiner Beobachtung mehrere Male dicht an ihm vorbei. Das wäre doch eine schöne Abschlussaufnahme für diesen Tag. So stellte ich das Stativ auf und darauf das 70-200mm. Leider flogen die Kraniche nicht mehr so dicht am Mond vorbei, dennoch machte ich drei Fotos. Eines was mir recht gut gefällt, ist dieses hier.

So hatte ich an diesem Abend noch ein weiteres schönes Foto bekommen. Ein rund herum erfolgreicher Tag.

( Das Oppenweher Moor, auch Stemmer Moor, ist ein Hochmoor im Naturraum Diepholzer Moorniederung. Es umfasst eine Gesamtgröße von rund 870 ha und liegt in Niedersachsen und im nordöstlichen Teil von Nordrhein-Westfalen. Es zählt zu den bedeutendsten Moorbildungen Nordwest-Deutschlands und wird zu den zehn wichtigsten Feuchtwiesenschutzgebieten in Nordrhein-Westfalen gerechnet. Es ist ein Teil des Naturparks Dümmer. Das Gebiet befindet sich im Norden des Ortsteils Oppenwehe der Gemeinde Stemwede im ostwestfälischen Kreis Minden-Lübbecke und im Süden des Landkreises Diepholz. )

Daten.: Kraniche und Mond, aufgenommen Februar 2015

Eos digital, 70-200mm (bei 126mm), f 4, ISO 100, 1/640 Sek. Stativ (auf den Mond belichtet)

# 1

Dieses Bild der flach über der Wasseroberfläche fliegenden Kanadagans, die einen Rivalen verjagt hatte ich schon eine weile im Kopf. Nur die Umsetzung gelang mir kaum befriedigend. So hatte ich mich ganz früh morgens an einem kleinen Teich im Lüerwald, einen Bereich des Arnsberger Wald im Sauerland hingesetzt.
Mit einem kleinen Stück Isomatte direkt am Ufer, so tief es ging, ohne nasse Füße zu bekommen. Mein 300mm 4.0 mit angesetzter Kamera legte ich schussbereit auf meinem Schoß. Da ich reaktionsschnell sein wollte verwendete ich ausnahmsweise mal kein Stativ.

Der Teich war mir gut bekannt, denn er liegt in meinem alten Fotorevier, so wusste ich auch wie der Sonnenverlauf am Tag ist, so würde ich gutes Licht haben.
Das Kanadaganspaar beanspruchte diesen Teich als Brutgewässer, da Sie dort auf einer kleinen Insel im Teich, ihr Nest errichten konnten, fast wie jedes Jahr.
Das würden junge Gänsepaare natürlich auch gerne und so kam es oft vor, das ein fremdes Gänsepaare einflog und der Ganter gleich mit lautem Trompeten und Imponiergehabe seine Fitness und Stärke demonstrierte. Reichte das nicht aus, ging er zum Angriff über. Das passierte an diesem Morgen recht oft und ich löste meine Kamera noch öfter aus.
Bis zum Mittag hatte ich noch immer nicht das Bild was mir im Geiste herum schwebte, bis die Rahmenbedingungen wundervoll passten.

( Da ich das Verhalten dieser Gänseart sehr gut kenne und an ihrem Verhalten schon ablesen kann, was als nächstes passiert. Hab ich den Vorteil, nicht überrascht werden zu können und kann mich darauf einstellen! )

Rechts neben mir schwamm ein fremdes Gänsepaare im Wasser, der Ganter kam von weitem schon in meiner Richtung geschwommen, das Licht passte, die Kamera vor dem Gesicht haltend und auf den heran schwimmenden Ganter fokussiert und Ihn durch den Sucher verfolgend hoffte ich auf mein Glück. Und dieses war mir treu. Er setze an, um das fremde Gänsepaare zu vertreiben und ich löste meine Kamera in der Serienbildeinstellung aus. Als ich mir die gemachten Bilder auf dem Display der Kamera anschaute hatte ich schon ein leichtes vor Freude entstandenes Lächeln im Gesicht und später zu Hause am PC Monitor, wich es einem wohlig befriedigendes Lächeln. Was einem durchfährt, wenn einem ein geplantes erst im Gedanken entstandenes Bild zu einem Foto geworden ist.

Es zeigt wundervoll die Kraft und Entschlossenheit des Ganters, den Rivalen, von seinem Brutgewässer zu vertreiben.
Da nur so seine Nachkommen eine gute Chance auf ausreichend Nahrung und das spätere flügge werden haben.

Daten.: Kanadagans ( Branta kanadensis ) aufgenommen April 2013

Eos Digital, 300mm / f 4, ISO 1250, 1/3200 Sek. freihand

Alexander von Düren / Naturfotografie  |  vd-naturfoto@gmx.de
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